BERLIN (zaw) - Frau mit Loch im Rock, das den Blick auf die nackte Scham freigibt. Mit diesem Foto in einer Anzeige lockte ein Möbelhändler Kunden in Bremen. Oder ein Dachdeckerbetrieb: Auf der Plane vor einer Hausfassade ist ein Handwerker abgebildet, auf dessen Arm eine nackte Frau sitzt. Dazu der Text: "Wir decken fast alles". Für den Sprecher des Deutschen Werberats, Volker Nickel, ist das "schamloser Realismus", wie er vor Gleichstellungsbeauftragten und Politikerinnen der GRÜNEN in einer Analyse über das aktuelle Frauenbild in der Werbung jetzt in Berlin sagte.
Die meisten Unternehmen ließen die Finger von frauen-feindlichen Werbeaktivitäten, nicht nur aus moralischer Überzeugung, sondern auch aus handfesten betriebswirtschaftlichen Überlegungen. Der Bumerang liege immer neben solchen Formen von Provokation. Nickel: "Regeln brechen kann Marken brechen". Aufmerksamkeit für ein Angebot sei nicht automatisch brauchbare Kommunikationsleistung. Extreme Werbung könne zwar das Interesse von Medien wecken und zur Unterhaltung der Bevölkerung beitragen, "aber auch schlechte Aufmerksamkeitswerte produzieren und Konsumenten von Regalen und Geschäften fernhalten".